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Schmerzen beim Pferd

Schmerzentstehung

Wie entstehen Schmerzen?

Schmerzen stellen ein wichtiges Alarmsystem dar, um den Körper vor Schaden zu bewahren. Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Schmerzen, je nachdem wodurch und wo sie entstehen. So warnen Schmerzrezeptoren vor zu hoher körperlicher Verletzung, vor Giftstoffen, vor Mangel an Sauerstoff oder bei Entzündungen im Körper machen die Schmerzen auf einen Missstand im Körper aufmerksam.

Schmerzen entstehen an freien Nervenendigungen, Nozizeptoren, die in Haut, Muskeln, Gelenken und Organen zu finden sind. Diese Schmerzrezeptoren können durch Temperatur, Dehnung, Druck und Entzündungsbotenstoffe gereizt werden. Der Schmerzreiz wird ins Gehirn weitergeleitet und wird dort durch die emotionale Wahrnehmung gefärbt.

Beispiel: Wenn wir uns an einem guten Tag den kleinen Zeh anschlagen, tut es weniger weh, wie wenn der Tag ohnehin schon schlecht war oder wir sowieso traurig sind.

Es hat also ganz viel auch mit dem Erleben, während dem Schmerzempfinden zu tun, wie der Schmerzreiz verarbeitet wird. Auch bei Pferden.

Wie erleben Pferde Schmerzen?

Pferde erleben Schmerzen sehr sehr deutlich und verarbeiten einen Schmerzreiz oft sehr gerne mit körperlichem Ausdruck. Man hört immer wieder, dass Pferde still leiden, aber mit so einer Aussage macht es sich der Mensch sehr einfach. Denn auch Pferde haben starke Schmerzen und beim Hinschauen, sieht man sehr deutlich, ob ein Tier Schmerzen hat oder nicht.

Haben Pferde dabei zusätzlich auch noch Angst und werden dabei womöglich gezwungen den Schmerz auszuhalten dissoziieren viele, sie werden förmlich überwältigt und sie schalten sich als Schutz ab. Nur so halten sie dauerhaft Schmerzen aus, die ihnen beim Reiten oder Training zugefügt werden. Auch das kann man an den leeren Augen sehen, wenn man hingucken würde.

Meist erleiden Pferde die ersten Schmerzen bereits im „Kindesalter“ zwischen 2-4 Jahren, in einem Alter indem sie diese Eindrücke tief in ihrem inneren speichern. Es ist wie bei uns Menschen ein Unterschied, ob wir Traumata im Kindesalter oder im Erwachsenenalter erleben. Es wird fast ein Teil der Persönlichkeit und oft ist es schwerer herauszufinden, wer dieses Pferd ohne diese Erfahrungen geworden wäre. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Viele Erkrankungen wie Verhaltensauffälligkeiten (Koppen, Weben, Kämpfen) oder Magen- und Verdauungsprobleme können auf Schmerzen und Verletzungen zurückgeführt werden. Dauerhafte Schmerzen bedeuten enormen Stress und Energieverlust für das Pferdesystem.

"Pferde leiden Still."

Die Langzeitfolgen von unerkannten Schmerzen

Wenn selbst für viel Pferdekenner die Pferde „still” leiden, kann man davon ausgehen, dass tausende Pferde unerkannt Schmerzen erleiden.

Ein Pferd zu sein, bedeutet häufig über die körperlichen und geistigen Grenzen hinaus belastet zu werden. Widersetzt sich ein Pferd wird sich „durchgesetzt”, sodass viele Pferde aufgeben und zu hohen Belastungsreizen ausgesetzt sind. Zu hohe Belastung führt zu Verletzungen im Gewebe und Verletzungen führen zu Schmerzen. Verletzungen, die nicht erkannt werden, weil das Pferd „still” leidet und das Pferd sein Leid nicht kundtun darf, können nicht in Ruhe abheilen und es können auf Dauer Schmerzen entstehen, die als chronisch bezeichnet werden.

Wird ein Pferd also über einige Zeit, über seine Maßen von viel zu schweren Reitern mit unpassendem Sattel geritten wird, dann entstehen Verletzungen im Gewebe und im schlimmsten Fall erleidet es chronische Schmerzen, eine Tragerschöpfung und Kissing Spines etc.

Der Magen des Pferdes

Anatomie und Funktion des Magens

Über die bis zu 1,5 Meter langen Speiseröhre gelangt der Futterbrei in den Pferdemagen.

Der Pferdemagen ist im Vergleich zur Größe des Pferdes eher klein und macht nur 10% des Verdauungstraktes aus. Er fasst abhängig von der Größe des Pferdes ca. 9-18 Liter und ist darauf ausgelegt, ständig kleine Mengen an Futter zu verarbeiten.

Im Magen finden sich Enzyme wie das Pepsin, welches wichtig für die Verarbeitung von Proteinen wichtig ist und Salzsäure, die hilft, unliebsame Keime abzutöten und die Nahrungsbestandteile zu zerkleinern.

Wie lange bleibt das Futter im Magen?

Die Nahrung passiert den Magen abhängig von der Zusammensetzung innerhalb von 1-5 Stunden. Ist das Pferd auf der Weide, oder hat dauerhaft Zugang zu Heu, so entleert sich der Magen schneller, weil immer neuer Speisebrei nachkommt und sich der Magen automatisch bei einem Füllzustand von zwei Dritteln entleert.

Raufutter wird in der Regel sehr gut gekaut und eingespeichelt und bildet damit einen lockeren, klumpenfreien Speisebrei, dadurch kann schneller durchsäuert werden und passiert den Magen schneller.

Stärkehaltiges Futter wie Getreide und Müslis dagegen, fördern zum einen die Magensäureproduktion und verbleiben länger im Magen, wo sie bereits durch Milchsäurebildner vergoren werden. Dies begünstig zum Einen Magengeschwüre und zum Anderen, wird der noch viel zu saure Mageninhalt weiter in den Dünn- und Dickdarm weitergeleitet.

Landet diese überschüssige Säure immer wieder im Dickdarm, so entsteht eine sogenannte „Hindgut acidosis“ und der Dickdarm verliert seine wichtige Funktion als Energiekraftwerk und Gesundheitszentrale. Werden also zum Beispiel nur zweimal am Tag, große Mengen an stärkehaltigem Futter verabreicht, wie es bei vielen Sportpferden der Fall ist, bringt das auf Dauer Probleme für den Verdauungstrakt und den gesamten Organismus.

Magengeschwüre bei Pferden

1 %
aller Turnierpferde

Haben Reizungen an der Magenschleimhaut und

leiden unter Magengeschwüren.

1 %
aller Freizeitpferde

Haben Reizungen an der Magenschleimhaut und

leiden unter Magengeschwüren

Magengeschwüre vorbeugen

Risikofaktoren sind Stress aller Art, so ist der Stress für Pferde im Training genauso groß wie auf dem Turnier. Hinzukommen Stallwechsel, Transport, Lärm, Fresspausen über 3-4 Stunden und insgesamt zu geringe Fütterung von Raufutter.

• Das Pferd sollte Ruhe haben, während es frisst und nach einer großen Portion Futter, sollte keine Belastung folgen.

• Die Menge an Stärke pro Portion sollte auf 0,5g/kg begrenzt sein um einer Übersäuerung des Verdauungstraktes vorzubeugen.

Der Dünndarm und seine Anhangsdrüsen

Der etwa 15-20m lange Dünndarm fasst ungefähr 55-70 Liter und die Passage des Futterbreis dauert durchschnittlich eineinhalb Stunden. Während dieser Zeit werden schnell verdauliche Nahrungsbestandteile verstoffwechselt, wie Kohlehydrate, Fette und Eiweise.

Zum Beispiel wird mit dem Enzym Amylase Stärke in Traubenzucher (Glukose) gespaltet, Nahrungsfette werden mit Lipase abgebaut und Proteasen und Peptidasen spalten die im Futter enthaltenten Eiweise. Verläuft die Verdauung unproblematisch sollte am Ende 90 % der aufgenommenen Stärke und Fette abgebaut sein und von den Eiweisen sollten 40 – 65 % verstoffwechselt sein und von der Darmwand in das Blut aufgenommen werden.

Die im Futter enthaltenen Fette werden mit Hilfe von Gallensekret emulgiert und für den Körper verfügbar gemacht.
Neben den Enzymen besiedeln auch Mikroben den Dünndarm, welche unter anderem im Milchsäure bilden.
Wird also vermehrt Kraftfutter gefüttert und der Anteil der Stärke im Futter steigt, so steigt auch die Bildung von Milchsäure im Dünndarm an, was den pH-Wert beeinflusst. Durch die Übersäuerung der Darmmilieus kann es zu Schäden an der Darmschleimhaut kommen, zu vermehrter Gasbildung und zu Störungen der Darmperistaltik.
Vor allem Schäden an der Darmwand ( das sogenannte „Leaky Gut Syndrom“ ) wirken sich letztendlich auf die Nährstoffaufnahme und auf das Immunsystem aus und auch Dünndarmkoliken können entstehen.

Pferde sind sehr anfällig für Vergiftungen, die nicht selten tödlich enden können, denn anders als zum Beispiel Kühe, haben sie keine Bakterien, die eventuelle Gifte unschädlich machen können bevor sie in den Dünndarm gelangen und dort direkt über das Blut in die Leber und im Körper verteilt werden. Deswegen ist es für Pferde sehr wichtig gutes, einwandfreies Futter und Wasser zur Verfügung zu haben.

Die Anhangsdrüsen des Dünndarms sind: die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und die Leber.

Chronische Schmerzen bei Pferden

Schmerzen ohne erkennbare Ursache

Als Chronische Schmerzen bezeichnet man Schmerzen, die länger als drei Monate andauern. Diese Schmerzen sind da, obwohl ihre Ursache bereits abgeheilt ist. Diese Empfindung sind ein Ergebnis eines überempfindlich gewordenen Nervensystems. Auf Körperlicher Ebene aber auch auf psychischer Ebene reagiert das Nervensystem mit Überregung als Schutz vor erneuter Verletzung.

Die Phsychische Ebene – Viele Pferde haben oft schon lange chronische Schmerzen, die das Gewebe „gespeichert“ hat. Einerseits spielt natürlich die Psyche eine große Rolle. Wenn ein Pferd sobald ein Sattel seinen Rücken berührt Schmerzen im Rücken hat oder immer beim Reiten schmerzhaft überlastet wird, wird es mit dem Reiten Schmerz und Kontrollverlust verbinden. Egal mit welchem Sattel wird es immer wieder schnell Schmerzen empfinden.

Die körperliche Ebene, die Schmerz speichert:

Es gibt auch eine Schmerz-Erinnerung im Gewebe:

Über die sogenannte Subtanz P (P steht für Pain) es ist ein Neuropeptid, ein Botenstoff, der von den Schmerzrezeptoren im Gewebe selbst hergestellt wird und als Schmerzregulator gilt. Subtanz P ist nach Entzündung im Gewebe zu finden und kann dort gespeichert sein, wo bereits mal eine Verletzung stattgefunden hat. Es stimuliert Mastzellen und Makrophagen und kann bei kleinen Stimulation schon eine erneute Entzündung auslösen. Ähnlich einer Sehnenscheidenentzündung beim Menschen, die zum Beispiel schon nur nach einer kurzen Schreibeinheit wieder auftritt und nicht im Verhältnis zur eigentlich geringen Belastung steht.

Diese Abläufe sind ziemlich komplex und man muss es auch nicht bis ins kleinste Detail verstehen. Aber was ich damit sagen möchte: Bei einer Schmerz-Vorgeschichte kann es sein, dass ein Pferd auch bereits nach 2-5min Reiten mit perfektem Maßsattel diesen Schmerz schon wieder wahrnimmt. Dabei ist es egal wie viel der Sattel gekostet hat und wie oft der Sattler betont, dass er doch passt.

Wenn das Pferd also dann immer noch mit Schmerz reagiert, dann ist es kein persönlicher Angriff. Es kann eine Reaktion auf Erinnerungen im Körper und Geist sein, die Schmerzen auslösen. Auch wenn der Tierarzt seit Wochen sagt, dass das Tier eigentlich wieder geritten und belastet werden darf…laut Lehrbuch.

Die Lehrbücher mit ihren Wundheilungsphasen setzen immer auch einen perfekten Heilungsverlauf voraus, der faktisch nichts mit der Realität zu tun hat. Vor allem, wenn man das Pferd nicht versteht und seine Schmerzen als “still” abtut. Weder beim Menschen noch beim Tier. Es ist ganz individuell und von vielen Faktoren abhängig. Wenn dein Tier also bereits schlechte Erfahrungen mit Reiten oder Training gemacht hat und einen körperlichen Übergriff und Kontrollverlust damit verbinden, wird sich sein Körper und Geist nicht einfach so nach 6-8 Wochen wieder damit auseinandersetzen, als wäre nie etwas gewesen. Vor allem

Die Leber des Pferdes

Die Leber hat zahlreiche Aufgaben, so ist sie am Fett- und Kohlehydratstoffwechsel beteiligt, produziert Galle, verarbeitet Eiweiße, reguliert den Wasser- und Hormonhaushalt, fungiert als Speicher für Vitamine und Spurenelemente und ist gleichzeitig ein wichtiges Entgiftungsorgan.
Zur Leber führt die sogenannte Pfortader, welche das Blut aus den Verdauungsorganen in sich führt. Durch Hormone wird der Eiweiß- , Kohlehydrat- und Fettstoffwechsel reguliert, indem diese Makronährstoffe in die Blutbahn abgegeben oder gespeichert werden. So reguliert die Leber auch den Blutzuckerspiegel.

Als Entgiftungsorgan „wäscht“ die Leber Giftstoffe aus dem Blut aus, so z.B. auch Wirkstoffe aus Medikamente, weshalb es manchmal sinnvoller ist, diese direkt ins Blut zu spritzen um den Weg über die Leber zu umgehen.

Die von der Leber gebildete Gallenflüssigkeit wird in den Dünndarm abgegeben um fettreiche Mahlzeiten verstoffwechseln zu können.
Anders als Menschen besitzen Pferde jedoch keine Gallenblase und können also keine Galle auf Vorrat speichern. Fette sind schwerverdaulich und sollten nur in kleinen Mengen gefüttert werden. Von Natur aus nehmen Pferde eher weniger Fett auf und hohe Ölmengen sind meist mit negativen Auswirkungen für die Verdauung verbunden.

Der Dickdarm des Pferdes

ORT DER BAKTERIELLEN VERDAUUNG

Die mikrobielle Verdauung im Dickdarm

Der Dickdarm beinhaltet mehrere Gärkammern, den Blinddarm, das kleine und große Kolon und macht mit etwa 7 – 8 Metern und mit 130 – 150 Litern Fassungsvermögen ungefähr 62% des Verdauungstraktes aus.

Mit Hilfe von Billionen körpereigener Mikroorganismen werden im Dickdarm die bisher nicht abgebaute Nahrungsbestandteile in Energie umgewandelt, meist in Form von Fettsäuren.

Diese Dickdarmbakterien können mehr als 80 % des Energiebedarfes eines Pferdes synthetisieren, beim Menschen dagegen sind es gerade mal bis zu 10 %.

Zu den Futtermitteln die im Dickdarm verdaut werden gehört Rohfaser, Getreidestärke und Getreidearten. Rohfaserhaltige Futtermittel sind zum Beispiel Heu, Stroh, Gras, Kleie, Heulage und Rüben, deren Bestandteile wie Cellulose, Hemicellulose, Pektin und Lignin von den Mikroorganismen aufgeschlossen und für den Körper verfügbar gemacht werden.

Diese im Dünndarm nicht aufgeschlossenen faserigen Kohlehydrate, werden von Dickdarmbakterien innerhalb von 48 Stunden in kurzkettige und hochverdauliche Fettsäuren wie Essig- , Butter- , Milch- und Propionsäuren abgebaut, welche zur kontinuierlichen Energiebereitstellung dienen.

Damit diese lebenswichtigen Mikroorganismen im Dickdarm überleben und optimal arbeiten können benötigen sie eine Mindestmenge an Rohfaser im Futter. Gelangen aber zu viele unverdaute Stärkearten (unbehandelte Gerste) in den Dickdarm, so führt das zu einer vermehrten Bildung von Milchsäure und der pH-Wert sinkt ab, was zum Absterben von Bakterien der Darmflora führt, die in diesem sauren Milieu nicht überleben können. Außerdem wird die Darmschleimhaut geschädigt und kann dadurch ihre Funktion der Nährstoffaufnahme und Schutzbarriere als Teil des Immunsystems nicht mehr gerecht werden. Folglich können Toxine ungehindert in die Blutbahn gelangen und zuerst die Leber und letztendlich den gesamten Organismus belasten und aus dem Gleichgewicht bringen.

Auswirkungen von zu viel Eiweiss

Aber auch bei zu viel Eiweiß im Futter, durch Hafer, Weizenkleie oder eiweißreichem Gras kommt es zum Eiweißüberschuss. Dieses Eiweiß wird nicht vollständig vorverdaut und an den Dickdarm weitergegeben. Dort wird es von den Dickdarmbakterien gespalten, wodurch Ammoniak entsteht. Das Ammoniak ist ein Zellgift, was von der Darmwand ans Blut abgegeben wird und in die Leber transportiert wird. Dort wird es zu Harnstoff umgewandelt und über die Nieren ausgeschieden wird. Bei der Verstoffwechselung der Eiweiße werden auch biogene Amine gebildet, die ebenfalls den Stoffwechsel belasten.
Ammoniak kann aber auch durch sämtliche Gewebeschichten hindurch diffundieren. Das heißt es belastet und schädigt den gesamten Organismus.
Je besser die Verdauung also funktioniert und je weniger unverdautes Futter in den Dickdarm gelangt, desto weniger kommt es zu Fehlgärung. Das ist extrem wichtig, für den gesamten Stoffwechsel.
Auch abrupte Futterwechsel können das Gleichgewicht im Darm stören und ständige Wechsel der Heuqualität können ebenfalls zu Fermentationsstörungen und Fehlgärung führen. So sollte das Anweiden langsam und schrittweise erfolgen, da die Darmflora einige Zeit braucht um sich anzupassen, gerade im Frühjahr und Herbst ist Vorsicht geboten vor überhöhten Fruktanwerten im Weidegras.

Wo befindet sich der Blinddarm beim Pferd?

Der Blinddarm des Pferdes befindet sich auf der rechten Seite der Flanke. Ist dieser Bereich auffällig eingefallen oder sehr fest und aufgebläht, können das Anzeichen für Probleme im Blinddarm sein. Bei Blinddarmreizungen können außerdem Probleme beim Gang-und Reitverhalten auftreten. Macht Pferd ungern enge Wendungen nach rechts oder hat Schwierigkeiten rechts weit unterzutreten, kann es Sinn machen den Blinddarm näher zu untersuchen.

Ist das Pferd an der rechten Flanke sehr aufgebläht eignet sich diese Stelle auch um die Darmgeräusche zu überprüfen:

Ein ruhiges „Blubbern“ und „Gurgeln“ im Darm deutet auf einen normalen Verdauungsablauf hin.

Hört man eine „Platzen“ oder „Knallen“ von Gasen kann das auf Störungen hindeuten.

Gesunde Darmflora – gesundes Pferd

Das Mikrobiom, auch Darmflora genannt ist die Gesamtheit der im Verdauungstrakt lebenden Bakterien, Pilze und Protozoen. Bis heute ist dieser Teil des Körpers, nur teilweise erforscht und auch im Bereich der Humanmedizin ist die Forschung was die Bereiche Magen-Darm und dessen Auswirkung auf den Organismus angeht, noch am Anfang.
Zahlreiche Krankheiten sollen aufgrund einer bestehenden Dysbalance des Mikrobioms entstehen, so zum Beispiel EMS, Übergewicht, Allergien und Lungenerkrankungen. Es gibt zahlreiche Prä- und Probiotischen Ergänzungsfuttermittel auf dem Markt, doch was selbst im Humanbereich noch unausgegoren ist, ist im Bereich der Tiermedizin ebenfalls noch unzureichend erforscht.

Wie sieht die gesunde Darmflora des Pferdes aus?​

Was genau das gesunde Mikrobiom darstellt, ist noch unklar und die Frage, ab wann eine geringere Diversität der Bakterienstämme krank macht oder nur eine Anpassung an andere Umstände darstellt, ist ebenfalls noch nicht geklärt.

So können Tiere wie Menschen mit reduzierter mikrobieller Artenvielfalt genauso gesund sein, wie die mit höherer Vielfalt. Einige tragen sogar potenziell krankmachende Keime im Darm, ohne je daran zu erkranken.

Das Mikrobiom wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst, so spielen Genetik, Geburt, geografische Verhältnisse, Hygiene, Futter, Infektionen, Medikamente eine Rolle bei seiner Zusammensetzung.

Seit ca. 2000 wird das Mikrobiom erforscht und die Technik entwickelt sich immer weiter um bessere Ergebnisse darüber zu liefern, wie sich das Mikrobiom des Pferdes zusammensetzt und wie es sich durch äußere Einflüsse, wie Futter, Wetter, Medikamente und beispielsweise Stress verändert.

Noch sind viele Bakterienstämme unbekannt und ihre Funktion nicht erforscht und nicht ausreichend belegbar. Gesichert ist aber, dass Darmbakterien ihren Wirt, das heißt in diesem Fall das Pferd positiv wie negativ beeinflussen.

Symbiose

→ Ein Zusammenleben von zwei verschiedenen Arten, aus dem beide Parteien profitieren, nennt man Symbiose – in dem Fall Pferdeorganismus und Darmflora.

Dysbiose

→ Weicht die Zusammensetzung der Darmflora qualitativ und/oder quantitativ, vom Optimum ab und schädigt den sogar den Organismus spricht man von einer Dysbiose.

Das Pferd hat eine Vielzahl von Darmbakterien, die ihm vor allem dabei helfen, bestimmte Nahrungsbestandteile aus dem Futter zu verdauen zu können. Sie verdauen langkettige Kohlenhydrate und produzieren Vitamine und Fettsäuren. Jedes Bakterium hat eine bestimmte Aufgabe, ohne die es für den Organismus nicht möglich ist, das aufgenommene Futter adäquat in ihre Bestandteile zerlegen und aufnehmen zu können. Außerdem bewahren sie den Darm vor Infektionen und halten einen optimalen pH-Wert aufrecht. Dieses Zusammenleben von Pferd und Bakterien, aus dem beide Parteien profitieren, nennt man Symbiose. Ist die Bakterienpopulation der Darmflora gestört, verändern sich die Bakterienpopulationen und können dem Pferdeorganismus schaden. Wenn die Darmflora aus dem Gleichgewicht gerät, spricht man von einer Dysbiose.

Medikamente die eine Dysbiose verursachen können

Antibiotika

Was die Darmflora zum Beispiel negativ beeinflusst sind Medikamente. So beeinflusst die Einnahme von Antibiotika das Mikrobiom und die Bakterienzusammensetzung negativ. Bis sich das Mikrobiom von einer Antibiotikagabe erholt, kann bis zu einem halben Jahr vergehen. In dieser Zeit ist der Körper wiederum anfälliger gegenüber Infektionen und Allergien. 

Forscher der Texas A&M University untersuchten die Zusammensetzung des Mikrobioms von Pferden vor und nach der Gabe von Antibiotika. Das Ergebnis, bei allen untersuchten Pferden wurde eine Verringerung der Bakterienpopulation und somit eine geringere Diversität des Mikrobioms festgestellt.

Eine weitere Studie der Colorado State University (CSU) testete, ob Probiotika oder Präbiotika einen Einfluss auf das Mirkobiom haben, während der Gabe von Antibiotika. Auch hier wurde eine Veränderung der Metaboliten im Stuhl festgestellt aufgrund des Antibiotikums und das die gleichzeitige Unterstützung mit Probiotika diese Veränderung etwas ausgleichen kann.

An der Universität Leipzig wurden die Mikrobiome von gesunden Pferden und Pferden mit akuter Darmentzündung und kranken Pferden ohne Verdauungsprobleme verglichen. Es wurden die Zahlen von drei verschiedenen Bakterienstämmen (Eubakterien, Bifidobakterien, Cytophagales) gezählt und verglichen. Die Pferde mit akuter Darmentzündung und die an anderen Erkrankungen leidenden Pferde, bekamen über 7 Tage mehrmals die Antibiotika Amoxicillin und Gentamicin verabreicht, wodurch sich die Eubakterien und Bifidobakterien in den Stuhlproben, im Vergleich zu den gesunden Pferde, die ausschließlich Heu bekamen, deutlich reduzierten.

Schmerzmittel - Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Gängige Schmerzmittel wie man sie unter den Namen Meloxicam, Metacam, Phenylbutazonum, Equipalazone, Acetylsalicylsäure (ASS) kennt, wirken durch die Hemmung der Prostaglandin-Synthese. Prostaglandin spielt eine Rolle bei der Schmerzvermittlung und wirkt als Mediator von Entzündungsprozessen und Fieber. Klingt erstmal ganz logisch, dass man bei entzündlichen Prozessen den vermeidlichen Übeltäter erstmal ausschalten möchte. Doch aus die Hemmung des Prostaglandin im gesamten Organismus bringt Probleme mit sich. Gerade, wenn diese Medikamente dauerhaft gegeben werden. 
Prostaglandin ist ein Gewebshormon und wird in zahlreichen Organen gebildet und ist an vielzähligen Stoffwechselprozessen beteiligt. Zum Beispiel hemmt Prostaglandin die Säuresekretion im Magen und  unterstützt die Schleimhautprotektion, indem es die Bicarbonat- und Muzinsekretion fördert. Wird Prostaglandin dauerhaft gehemmt, kommt es zu Schäden Magenschleimhaut und der Magen übersäuert, was sich wiederum negativ auf die gesamten, folgenden Verdauungsvorgänge auswirkt. 
Auch in den Nieren sind vor allem Prostaglandine für die Aufrechterhaltung des renalen Blutflusses verantwortlich. Es wirkt auf die Gefäße und  stimuliert die Reninsekretion. Prostaglandine sind verantwortlich für die Ausscheidung von Natrium, Kalium und Wasser. Wird die  die renale Prostaglandinsynthese langanhaltend gehemmt führt das zu einer Einschränkung der Nierenfunktion. Als Folge steigt der Blutdruck, es kann zu Ödemen kommen, sowie zu einer Hyperkaliämie, die das Herz schädigen kann. Nieren sind ein hochspezialisiertes Gewebe, das sich nicht einfach regeneriert. Auch die Lungen und das Immunsystem werden durch Prostaglandin-Hemmung negativ beeinflusst. Ob man also ein n
ichtsteroidales Antirheumatikum geben muss, sollte man abwägen und vor allem die Dauer beachten. Oft werden mit den Schmerzmitteln gleichzeitig sogenannte Protonenpumpenhemmer gegeben, die den Magen “schützen” sollen. Leider haben auch diese erhebliche Nebenwirkungen auf die Verdauung.

Säureblocker - Protonenpumpenhemmer

Forscher untersuchten außerdem die Auswirkungen von Omeprazol, einem Medikament, das bei Entzündungen und Geschwüren im Magen-Darm-Trakt eingesetzt wird.
Als Protonenpumpenhemmer unterdrückt dieser Wirkstoff die Abgabe von Magensäure an den Magen. Häufig wird Omeprazol oft im zusammen mit Antibiotika oder Schmerzmitteln verabreicht, um Geschwüre an der Schleimhaut zu verhindern.
Diese Protonenpumpenhemmer haben negative Auswirkungen auf die Vielfalt des Mikrobioms und können zu Durchfall führen.

Wurmkuren

Moxidectin, ein Entwurmungsmittel hat laut Forschern aus Großbritannien kaum nennenswerten Effekt auf die Bakterielle Vielfalt. Sie fanden aber heraus, dass 16 Stunden nach der Gabe, die Fermentation von Heu und Hafer durch Moxidectin verringert wurde. Vollkommen auf Wurmkuren zu verzichten ist oft nicht möglich. Ist ein Pferdeorganismus aber bereits durch andere Medikamente oder Erkrankungen belastet, sollte man abwägen, ob und wann eine Wurmkur wichtig wäre.

Pferdefütterung

SO NATÜRLICH WIE MÖGLICH

Wer die Zusammenhänge im Verdauungstrakt des Pferdes versteht und mit ehrlichen Augen sein Tier selbst beobachtet, muss nicht mehr auf fremde Stimmen hören. Wenn man die Nahrungsindustrie der Menschen mit ihren Irrtümern betrachtet und dann das auf die Futtermittelindustrie überträgt, möchte man garnicht weiter denken, was in all den Pulvern, Pellets und raffinierten Ölen stecken kann.

Manchmal ist es einfacher als man vermutet. Der Grundbaustein einer gesunden Pferdefütterung besteht aus nur zwei Komponenten und zwar aus einwandfreiem Raufutter und sauberem Wasser.

Wildpferde decken ihren Bedarf an Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen zusätzlich durch grüne Blätter, Laub, Holz und Rinde. Sie wühlen am Boden, schlecken Erde und knabbern an Wurzeln.

Wer die Zeit hat, sollte seinem Pferd hin- und wieder im Wald die Möglichkeit bieten, etwas durch an Bäumen zu knabbern und im Laub zu stöbern. Etwas Kenntnis von Wildpflanzen ist dafür erforderlich um Giftpflanzen zu erkennen.

Wer nicht die Möglichkeit und nicht die Zeit hat, kann die Natur auch zu sich in den Stall holen und Äste von Birke, Weide, Haselnuss und Obstbäumen können unbedenklich verfüttert werden. Sie bieten Abwechslung und sind Lieferanten von wertvollen Nährstoffen.

Wer keine der beiden Variante umsetzen kann, kann seinem Pferd auch verschiedene Kräutern und Mineralstoffe anbieten. Es ist dabei sehr interessant zuzusehen und zu beobachten wie unterschiedlich die Auswahl ausfallen kann.

Die Natur weiß sehr genau, wohin der Weg führen soll, doch für unseren Menschenverstand ist es oft schwer vertrauensvoll zu folgen. Ist es doch absolut gegensätzlich von dem, wie wir unseren Alltag meist wahrnehmen und gestalten. Das schöne am Zusammensein mit Pferden ist, dass sie uns der Natur näher bringen können, wenn wir es zulassen.

Ich möchte darauf hinweisen, dass ich kein Tierarzt bin und dies nur eine Zusammenfassung meiner Recherchen und eigenen Erfahrungen als Pferdebesitzerin sind.