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Schmerzen beim Pferd

Wie entstehen Schmerzen?

Schmerzen stellen ein wichtiges Alarmsystem dar, um den Körper vor Schaden zu bewahren. Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Schmerzen, je nachdem wodurch und wo sie entstehen. So warnen Schmerzrezeptoren vor zu hoher körperlicher Verletzung, vor Giftstoffen, vor Mangel an Sauerstoff oder bei Entzündungen im Körper. Die Schmerzen machen auf einen Missstand im Körper aufmerksam. 

Schmerzen entstehen an freien Nervenendigungen, Nozizeptoren, die in Haut, Muskeln, Gelenken und Organen zu finden sind. Diese Schmerzrezeptoren können durch Temperatur, Dehnung, Druck und Entzündungsbotenstoffe gereizt werden. Der Schmerzreiz wird ins Gehirn weitergeleitet und wird dort durch die emotionale Wahrnehmung gefärbt.

Beispiel: Wenn wir uns an einem guten Tag den kleinen Zeh anschlagen, tut es weniger weh, wie wenn der Tag ohnehin schon schlecht war oder wir sowieso traurig sind.

Es hat also ganz viel auch mit dem Erleben, während dem Schmerzempfinden zu tun, wie der Schmerzreiz verarbeitet wird. Auch bei Pferden.

Wie erleben Pferde Schmerzen?

Pferde erleben Schmerzen sehr sehr deutlich und verarbeiten einen Schmerzreiz oft sehr gerne mit körperlichem Ausdruck. Man hört immer wieder, dass Pferde still leiden, aber mit so einer Aussage macht es sich der Mensch sehr einfach, um wegschauen zu können. Denn auch Pferde haben starke Schmerzen und beim Hinschauen, sieht man sehr deutlich, ob ein Tier Schmerzen hat oder nicht.

Haben Pferde dabei zusätzlich auch noch Angst und werden dabei womöglich gezwungen den Schmerz auszuhalten dissoziieren viele, sie werden förmlich überwältigt und sie schalten sich als Schutz ab. Nur so halten sie dauerhaft Schmerzen aus, die ihnen beim Reiten und Training zugefügt werden. Das kann man sehr deutlich an den Augen sehen, wenn man hingucken würde.

Meist erleiden Pferde die ersten Schmerzen bereits im „Kindesalter“ zwischen 2-4 Jahren, in einem Alter indem sie diese Eindrücke tief in ihrem inneren speichern. Es ist wie bei uns Menschen ein Unterschied, ob wir Traumata im Kindesalter oder im Erwachsenenalter erleben. Es wird fast ein Teil der Persönlichkeit und oft ist es schwerer herauszufinden, wer dieses Pferd ohne diese Erfahrungen geworden wäre. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Viele Erkrankungen wie Verhaltensauffälligkeiten (Koppen, Weben, Kämpfen) oder Magen- und Verdauungsprobleme können auf Schmerzen und Verletzungen zurückgeführt werden. Dauerhafte Schmerzen bedeuten enormen Stress und Energieverlust für das Pferdesystem.

"Pferde leiden Still."​

Die Langzeitfolgen von unerkannten Schmerzen

Wenn selbst für viele Pferdeexperten die Pferde „still” leiden, kann man davon ausgehen, dass tausende Pferde unerkannt Schmerzen erleiden.

Ein Pferd zu sein, bedeutet häufig über die körperlichen und geistigen Grenzen hinaus belastet zu werden. Widersetzt sich ein Pferd wird sich „durchgesetzt”, sodass viele Pferde aufgeben und zu hohen Belastungsreizen ausgesetzt sind. Zu hohe Belastung führt zu Verletzungen im Gewebe und Verletzungen führen zu Schmerzen. Verletzungen, die nicht erkannt werden, weil das Pferd „still” leidet und das Pferd sein Leid nicht kundtun darf, können nicht in Ruhe abheilen und es können auf Dauer Schmerzen entstehen, die als chronisch bezeichnet werden. 

Wird ein Pferd also über einige Zeit, über seine Maßen von viel zu schweren Reitern mit unpassendem Sattel geritten wird, dann entstehen Verletzungen im Gewebe und im schlimmsten Fall erleidet es chronische Schmerzen, eine Tragerschöpfung und Kissing Spines etc.

Die Entwicklung des Pferdeskeletts

“Alle Pferde aller Rassen reifen skelettmäßig im gleichen Tempo. Es gibt keine “früh reifenden” oder “langsam reifenden” Pferderassen. Kein Pferd auf der Welt, egal welcher Rasse, ist oder war jemals vor dem Alter von sechs Jahren reif. So ist zum Beispiel das Quarter Horse keine “früh reifende” Rasse und auch der Araber ist keine “langsam reifende” Rasse. Was das Skelett betrifft, sind sie identisch. Ich weiß, diese Information ist ein Schock für viele Menschen, die denken, dass sie ihr Fohlen im Alter von zwei Jahren unter den Sattel nehmen müssen…Jeder Knochen ab dem Schädel hat an beiden Enden eine “Wachstumsfuge”. Bei einigen Knochen wie dem Becken gibt es mehrere Wachstumsfugen. Müssen Sie also warten, bis sich alle diese Wachstumsplatten in Knochen verwandeln? Nein. Aber je länger man wartet, desto mehr ist man auf der sicheren Seite. Besitzer und Ausbilder müssen sich darüber im Klaren sein, dass es einen bestimmten, leicht zu merkenden Zeitplan für das Wachstum gibt und dann ihre Entscheidung, wann das Pferd geritten werden soll, auf dieser Grundlage treffen und nicht nach dem äußeren Erscheinungsbild des Pferdes. Denn es gibt einige Pferderassen – allen voran das Quarter Horse – so gezüchtet wurden, dass sie reif aussehen, lange bevor sie es tatsächlich sind. Das bringt diese Pferde in Gefahr durch Menschen,  die entweder den Zeitplan für die Schließung nicht kennen oder sich mehr für ihren eigenen Zeitplan interessieren, als am Wohlergehen des Tieres.” 
– aus Timing and Rate of skeletal maturation in Horses von Deb Bennett, Ph.D. ©2005

Chronische Schmerzen bei Pferden

Schmerzen ohne erkennbare Ursache

Als Chronische Schmerzen bezeichnet man Schmerzen, die länger als drei Monate andauern. Diese Schmerzen sind da, obwohl ihre Ursache bereits abgeheilt ist. Diese Empfindung sind ein Ergebnis eines überempfindlich gewordenen Nervensystems. Auf Körperlicher Ebene aber auch auf psychischer Ebene reagiert das Nervensystem mit Überregung als Schutz vor erneuter Verletzung.

Die Phsychische Ebene – Viele Pferde haben oft schon lange chronische Schmerzen, die das Gewebe „gespeichert“ hat. Einerseits spielt natürlich die Psyche eine große Rolle. Wenn ein Pferd sobald ein Sattel seinen Rücken berührt Schmerzen im Rücken hat oder immer beim Reiten schmerzhaft überlastet wird, wird es mit dem Reiten Schmerz und Kontrollverlust verbinden. Egal mit welchem Sattel wird es immer wieder schnell Schmerzen empfinden.

Die körperliche Ebene, die Schmerz speichert:

Es gibt auch eine Schmerz-Erinnerung im Gewebe:

Über die sogenannte Subtanz P (P steht für Pain) es ist ein Neuropeptid, ein Botenstoff, der von den Schmerzrezeptoren im Gewebe selbst hergestellt wird und als Schmerzregulator gilt. Subtanz P ist nach Entzündung im Gewebe zu finden und kann dort gespeichert sein, wo bereits mal eine Verletzung stattgefunden hat. Es stimuliert Mastzellen und Makrophagen und kann bei kleinen Stimulation schon eine erneute Entzündung auslösen. Ähnlich einer Sehnenscheidenentzündung beim Menschen, die zum Beispiel schon nur nach einer kurzen Schreibeinheit wieder auftritt und nicht im Verhältnis zur eigentlich geringen Belastung steht.

Diese Abläufe sind ziemlich komplex und man muss es auch nicht bis ins kleinste Detail verstehen. Aber was ich damit sagen möchte: Bei einer Schmerz-Vorgeschichte kann es sein, dass ein Pferd auch bereits nach 2-5 min Reiten mit perfektem Maßsattel diesen Schmerz schon wieder wahrnimmt. Dabei ist es egal wie viel der Sattel gekostet hat und wie oft der Sattler betont, dass er doch passt.

Wenn das Pferd also dann immer noch mit Schmerz reagiert, dann ist es kein persönlicher Angriff. Es kann eine Reaktion auf Erinnerungen im Körper und Geist sein, die Schmerzen auslösen. Auch wenn der Tierarzt seit Wochen sagt, dass das Tier eigentlich wieder geritten und belastet werden darf…laut Lehrbuch.

Die Lehrbücher mit ihren Wundheilungsphasen setzen immer auch einen perfekten Heilungsverlauf voraus, der faktisch nichts mit der Realität zu tun hat. Vor allem, wenn man das Pferd nicht versteht und seine Schmerzen als “still” abtut. Weder beim Menschen noch beim Tier. Es ist ganz individuell und von vielen Faktoren abhängig. Wenn dein Tier also bereits schlechte Erfahrungen mit Reiten oder Training gemacht hat und einen körperlichen Übergriff und Kontrollverlust damit verbinden, wird sich sein Körper und Geist nicht einfach so nach 6-8 Wochen wieder damit auseinandersetzen, als wäre nie etwas gewesen. 

Ich möchte darauf hinweisen, dass ich kein Tierarzt bin und dies nur eine Zusammenfassung meiner Recherchen und eigenen Erfahrungen als Pferdebesitzerin sind.