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Gutes Heu

GESUNDES PFERDEHEU ERKENNEN

Basis der Fütterung

Gesundes Pferdeheu

Als Pferdebesitzer sollte man die Qualität von Heu beurteilen können. Gerade in den Wintermonaten, wenn meist die Zeit auf der Weide weniger wird, ist gutes Heu als Grundnahrungsmittel für unsere Pferde unverzichtbar.

Die heutigen Pferderassen stammen von ehemaligen Steppentieren ab, die vor allem von artenreiche Gräser, Flechten und Wurzeln als Hauptnahrungsmittel lebten. Auch heute ist die Gras- und Heufütterung ein wichtiger Rohfaser- und Strukturlieferant für gesunde Pferde.

Warum ist gutes Heu so wichtig?

Heu ist nicht gleich gutes Heu. Gutes Pferdeheu enthält viel Rohfaser, wenig Wasser, wenig Eiweiß und Zucker. Dafür sollte es artenreich sein mit Kräutern und verschiedenen Gräsern. Doch so leicht ist es nicht gutes Heu zu finden. Flächenkonkurrenz von Futter- und Nutzpflanzen, steigende Preise und Verarmung der Böden, bringen die Landwirte dazu, sogenanntes Hochleistungsgras anzubauen. Dieses besitzt einen hohen Eiweißgehalt, dafür weniger Nährstoffe und Rohfaser.

Gutes Heu bildet die Basis einer gesunden Pferdeernährung – aber wann stimmt die Qualität? Warum gutes Heu so wichtig ist und was bei der Gewinnung von Heu zu beachten ist, darüber geht es hier.

Raufutter sollte der Grundbaustein der Pferdefütterung sein. Durch die grobe Struktur muss es gut gekaut werden und regt so die Speichelproduktion an und fördert dadurch eine gesunde Verdauung.

Außer Heu gibt es noch andere Raufutter wie Gras, Heulage, Silage und Wickelheu. Wieso aber die silierten Raufutter für die gesunde Pferdefütterung nicht immer geeignet sind steht weiter unten.

Heu enthält Eiweiß, Zucker, Fette und Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente. Je nachdem von welcher Wiese und aus welcher Region das Heu stammt kommen verschiedene Zusammensetzungen zustande.

Die Verdauung von Heu

Die Verdauung des Pferdes ist spezialisiert auf die Zersetzung von Raufutter, das Stängelig ist und viel Rohfaser enthält. Zerkaut das Pferd seine Nahrung, wird in den Speicheldrüsen im Maul der Speichelfluss angeregt. Die ausreichende Einspeichelung des Futters, sprich das lange Kauen der Nahrung ist sehr wichtig, für die weitere Verdauung. Vor allem langfaseriges Heu wird von Pferden gerne und ausgiebig gekaut. Dadurch wird zum einen der Speisebrei gleitfähiger und die Verdauungsorgane werden auf die weitere Verdauung vorbereitet, indem die Darmwanddrüsen und die Bauchspeicheldrüse angeregt werden. Somit wird eine Sekretion der Verdauungsenzymen aktiviert. Außerdem wird durch zahlreiche Kauschläge das Sättigungszentrum aktiv und das Pferd macht mehr Fresspausen.

Der Speichel enthält unter anderem Verdauungsenzyme und aber auch Bicarbonate, welche die Magensäure neutralisieren. Gelangt das gut zerkaute Futter im Magen, wird es dort durch Enzyme, Mikroben und dem Magensaft weiter zersetzt. Leicht zugängliche Kohlehydrate (Zucker, Stärke) werden aufgespalten. Nachdem der Magen seine Arbeit getan hat, gelangt der Nahrungsbrei in den Dünndarm.

Im Dünndarm mündet die Bauchspeicheldrüse, welche kontinuierlich enzymreichen Pankreassaft produziert. Diese Enzyme sind in der Lage Eiweise, Fette und Kohlehydrate aufzuspalten und für das Pferd verfügbar zu machen.

Im Dickdarm werden durch Mikrobenaktivität die übrigen Nahrungsbestandteile wie zum Beispiel Rohfaser und Stärke gespalten und aufgenommen.

Pferdeweide und Gräser

Unterschiede von Pferdegras und Kuhgras

Leider grasen viele Pferde hier in Deutschland auf ehemaligen Kuhweiden. Dort wird auch ihr Heu oder Heulage gewonnen. Natürlich finden sie dieses Gras sehr lecker, denn es ist voll von Energie in Form von Zucker (Fruktan) und Eiweiß. Gleichzeitig enthält dieses Gras zu wenig Struktur. Der Konsum von Kuhgras kann für Pferde mit Stoffwechselproblemen auf Dauer zu einem großen gesundheitlichen Problem werden. Die Folge sind oft Verdauungsstörungen, Stoffwechselstörungen (Equines metabolisches Syndrom), Hufrehe und Kreuzverschlag.

Unterschiede der Gräser - Gras ist nicht gleich Gras

Die intensive Nutzung von Grünland benötigt Weidegras, welches Hochleistungen vollbringt. Das heißt, es soll widerstandsfähig sein, gegen Parasiten und widrige Witterungsverhältnisse gewappnet sein. Außerdem ist es sehr trittfest und lässt sich gut auf Wegen, Sport- und Flugplätzen einsetzen.

Doch was macht dieses Gras so unglaublich robust, entgegen anderen Grassorten?

Dieses Gras lebt in Symbiose mit kleinsten Mikroorganismen, sogenannten Endophyten. Bei diesen handelt es sich um Pilze, die im Inneren der Pflanze leben. Diese Pilze helfen der Pflanze Wasser, Energie und Nährstoffe zu bekommen und auch in extremen Situationen standhaft zu bleiben. Was für die Pflanzenzüchter von hohem Interesse und Vorteil ist, wird für Pferde zum Problem. Die Endophyten produzieren Gifte, genauer Alkaloide, die für Tiere sehr toxisch werden können und Krankheiten und Vergiftungserscheinungen auslösen können. Vor allem das Deutsche Weidelgras und Wiesen-und Rotschwingel besitzen die höchsten Konzentrationen dieser Endophyten, weshalb sie vor allem für Pferde und deren empfindlichen Verdauungstrakt ziemlich ungeeignet sind und vermieden werden sollten.

Zusätzlich haben diese Gräser sehr hohe Energiegehalte im Verhältnis zum Rohfaseranteil. Sie sind nämlich vorrangig zur Viehzucht gedacht, in der man sehr nahrhaftes Futter bevorzugt. Für die Pferdefütterung sind diese Gräser weniger geeignet.

Magerweide – gestresstes Gras

Auch wenn das kurz abgefressene Gras auf sogenannten „Magerweiden“ aussieht, als würde da sowieso kaum noch etwas wachsen. Sind diese ebenfalls ein Risikofaktor für Pferde. Da Pferde die Gräser sehr kurz über dem Boden abfressen, können Lücken in der Grasnarbe entstehen, welche eine häufige Ursache für Sandkoliken sein können. Zusätzlich bieten diese Lücken Platz für Giftpflanzen, die wiederum von den Pferden aufgenommen werden können, oder später im Heu landen.

Außerdem ist es für eine stark beweidete Wiese schwer, wieder nachzuwachsen, denn es fehlen Wasser und Nährstoffe. Die sogennanten „gestressten“ Gräser können durch Trockenheit und Verbiss nicht richtig wachsen, bilden gleichzeitig aber viel Fruktan, welches dann in höherer Konzentration im kurzen Gras vorhanden ist und zur Stoffwechselbelastung beim Pferd führen kann.

Spezielles Saatgut für Pferdeweiden

Heute gibt es fruktanarme Gräsermischungen für Pferdeweiden. Diese bestehen hauptsächlich aus energie – und endophytenarmen Sorten. Pferdegras ist lang, hoch gewachsen und hat viel Rohfaser im Verhältnis zum Energiegehalt. Allerdings sind diese Gräser weniger auf Wiederstandfähigkeit gezüchtet und reagieren schneller auf Überweidung und intensive Nutzung.

Je nach Bodenbeschaffenheit und Beweidung müssen die Pferdeweiden regelmäßig nachgesät werden um dauerhaft die Endophyten und den Energiegehalt gering zu halten, denn langfristig werden diese Pferdeweiden immer wieder von endophythaltigen Hochleistungsgräsern durchsetzt.

Die Qualität von Heu beurteilen

Was ist qualitativ hochwertiges Heu?

Heu ist das wichtigste Raufutter in der Pferdefütterung. Die Ansprüche des Pferdeorganismus an einwandfreies Futter ist hoch.

Gutes Heu hat eine blau-grüne Farbe, einen aromatischen Duft und staubt nicht beim Aufschütteln. Der Rohfaseranteil sollte mindestens 30% betragen. Nimmt man Heu in die Hand, sollte es eine feste Struktur haben, jedoch darf nichts schmerzhaft in die Hand piksen. Es sollte rau, reich an Stängel sein und beim Knicken sollten alle Halme brechen, sonst ist es zu weich. Was wiederum ein Zeichen ist, dass es zu blattreich ist.

Ist das Heu zu feucht, vermehren sie Keime leichter und das Heu verdirbt. Riecht das Heu muffig oder faul sollte es auf gar keinen Fall verfüttert werden. Staubiges, verschmutztes oder sogar schimmeliges Raufutter sollte entsorgt werden. Vorsicht vor Schimmel, er ist nicht immer sofort zu erkennen, aber wirkt das Heu grau-weißlich, oder gar schwarz ist der Ballen faul und muss komplett entsorgt werden. Wer hier nur aussortiert und Kompromisse macht, spart am falschen Ende und schadet seinem Pferd auf lange Frist. Spätfolgen kommen meist erst Monate oder Jahre später zum Vorschein.

Hohe Belastungen durch Schimmelpilze können bei Pferden Atemwegserkrankungen, wie COPD hervorrufen, außerdem können Allergien entstehen und Verdauungsprobleme entstehen, bis hin zu Leber-und Nierenschäden. Befinden sich erhöhte Belastung an Hefepilzen im Raufutter, kann dies zu Aufgasungen im Darm führen und Koliken verursachen.

Auch die Nährstoffe sind ein wichtiger Faktor für die gesunde Pferdefütterung. So kann es durch falsches Heu zu Stoffwechselerkrankungen und Mangelerscheinungen kommen.

Wie wird gutes Heu geerntet?

Die Qualität des Heus steht und fällt mit der Ernte. Pferde haben sensible Verdauungs- und Atmungsorgane. So sind sie auf hygienisches Futter angewiesen, welches nicht staubt, vergoren oder mit Schimmel belastet ist. Für den richtigen Zeitpunkt der Heuernte muss das Wetter mindestens vier Tage lang trocken sein. Der erste Schnitt sollte im Frühsommer am Anfang bis zur Mitte der Blüte gemacht werden. So hat das Gras einen hohen Rohfasergehalt und einen geringeren Eiweißgehalt. Der zweite Schnitt ist eiweißreicher und hat einen geringeren Rohfaseranteil.

Das Mähwerk sollte eine Schnitthöhe von 5-10cm nicht unterschreiten, da sonst Erde, Keime und Tierkadaver mit ins Heu gelangen. Besonders bei der Ernte von Heulage muss darauf geachtet werden, weil sonst die Gefahr der Toxinbildung durch das Bakterium Bacillus Clostridium botulinum besteht. Durch die höhere Feuchte in Heulage können sich Bakterien dort besser vermehren.

Pferdeheu zum richtigen Zeitpunkt mähen

Oft wird empfohlen Pferdeheu möglichst spät zu mähen um geringere Energiewerte zu erzielen. Wird das Heu jedoch zu spät geerntet leidet die Qualität des Heus in Nährstoffgehalt und Hygiene deutlich.

Wird Heu spät geerntet steigt der Rohfasergehalt sehr stark an, daneben fallen die Werte der Inhaltsstoffe, wie Rohprotein, Vitamine und Spurenelemente enorm bis zum Mangelbereich. Auch die Belastung durch Pilze und Staub erhöht sich bei zu später Mahd.

Die Pferdeheuernte sollte während der Blüte erfolgen, wenn die Pollenbeutel an den Ähren hängen und schönes Wetter ist, sollte die Heuernte beginnen.

In dieser Zeit ist ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Rohfasergehalt und Nährstoffgehalt optimal. Außerdem ist in dieser Zeit frisch nach dem Aufwuchs die Belastung durch Mikroorganismen, wie Bakterien, Pilzen und Schimmelsporen gering. Je überständiger das Gras wird, desto belasteter ist es und wird schon mit erhöhtem Bakterien- und Schimmelbefall ins Lager eingebracht. Myotoxine die sich während der Lagerung weiter vermehren, können für die Pferde gesundheitliche Probleme mit sich führen und sind sehr gefährlich. Ein Zeichen dafür ist eine gräuliche Farbe und ein staubiger, muffiger Geruch.

Der Wassergehalt muss sich während des Trocknens auf unter 15% verringern. Während der Trocknung wird das Heu im besten Fall schonend gewendet, damit es gut durchtrocknen und wenig Halme brechen und damit später weniger Staub im Ballen ist.

Die Heubelüftung oder Warmlufttrocknung ist eine wetterunabhängige Trocknung. Die Vorteile davon sind, dass man das Heu zum richtigen Schnittzeitpunkt mähen kann ohne auf das richtige Wetter warten zu müssen.

Dadurch kann Staub, Schimmelbefall und Vermehrung von unerwünschten Bakterien und Mikroorganismen vermieden werden. Viele Nährstoffe bleiben besser erhalten, als bei normaler Bodentrocknung auf der Wiese.

Heu sollte so trocken wie möglich eingelagert werden, denn auch mit geringer Feuchte, laufen in den ersten Wochen der Lagerung fermentative Prozesse ab. Nach dem Pressen müssen die Heuballen 8-12 Wochen liegen bis sie verfüttert werden können.

Wie beurteile ich das Heu?

Für die Bewertung von Pferdeheu stehen einige Kriterien zur Verfügung.

Ein wichtiges Kriterium bei der Bewertung von Pferdeheu ist die Farbe des Heus.
Pferdeheut sollte vom Aussehen her Gras ähnlich sehen und es sollte frisch, aromatisch Riechen.
Fühlt es sich beim anfassen sehr sperrig und stachelig an, enthält es zu viele Stengel, was ein Hinweis auf spätes Mähen sein kann. Ist es allerdings sehr weich, wurde es zu früh geerntet und enthält viele Blätter. Außerdem dürfen in Pferdeheu keinerlei Giftpflanzen enthalten sein.

Die Sinnesprüfung von Heu

Farbe und Aussehen

  • • frisches Grün, ähnlich wie Gras: günstige Erntebedingungen, gute Lagerung, geringe Nährstoffverluste
  • blass, gelb, beige: spät geerntet, bei Ernte verregnet oder lange gelagert, geringer Carotingehalt
  • braun bis schwarz: während der Lagerung überhitzt, Nährstoffverluste, geringe Eiweißverdaulichkeit – schmutzig-grau bis grau-weiß zusammen klebende Stellen: erhöhter Schimmelpilzbefall (Gesundheitsgefährdend)
  • • Sichtbar ist auch, ob es sich um den für Pferde besser geeigneten 1. Schnitt handelt. Dieser hat lange, feste, gut getrocknete Fasern. Oder, ob es sich um den weichen, kurzfaserigen, energiehaltigen 2. Schnitt handelt.

Geruch

  • frisch, angenehm: gute Ernte- und Lagerungsbedingungen
  • aromatisch: evtl. hoher Anteil an Kräutern und Kleearten
  • muffig, dumpf, faulig: Schimmelpilzbefall (Gesundheitsgefährdend)

Griff

  • weich, zart: blattreich, hoher Eiweiß-, geringer Rohfasergehalt, eventuell geringer Calciumgehalt
  • rau: mehr Stengel, weniger Eiweiß, steigender Rohfaseranteil
  • sperrig: viele Stengel, weniger Blätter, geringe Verdaulichkeit
  • klamm: Feuchtigkeit noch über 20%, Nachtrocknung noch nicht abgeschlossen, nicht verfüttern

Verunreinigungen

• Erde, Stroh, Steine, Staub (Schimmelpilze): gesundheitsgefährdend

Zusammensetzung

  • • überwiegend Gräser: bei jungem, intensiv gedüngtem Futter, viel Eiweiß und Phosphor aber wenig Calcium, Magnesium und Natrium
  • • hoher Anteil an Kleearten und Kräutern: hoher Calium- und Magnesiumgehalt und reich an Eiweiß
  • • auf Giftpflanzen achten: Kreuzkraut, Herbstzeitlose, Sumpfschachtelhalm, Adlerfarn, Adonisröschen

Hygienebewertung von Pferdeheu

Um die hygienische Beschaffenheit von Heu richtig bestimmen zu können, reicht es nicht immer aus, das Heu nur mit eigenen Sinnen zu beurteilen. Denn auch Anteile, die gut riechen und vermeintlich gut aussehen, können erhöhte Belastung an Keimen aufweisen. Gerade wenn man eine ganze Winterlieferung von ein und dem selben Lieferanten entgegen nimmt, kann es sich lohnen eine Laboruntersuchung durchführen zu lassen um Hinweise auf mögliche Keimbelastungen zu bekommen.

Wie schon beschrieben, ist die Schnitthöhe ein wichtiger Faktor, wenn es um die Hygiene und die Nährstoffe im Heu geht. Wird das Heu zu tief geschnitten und sind die Mähwerke falsch eingestellt, wird das Heu verunreinigt durch Sand, Staub und im Boden enthaltene Schmutzkeime, sogenannte Clostridien. Solche Verunreinigungen können zu Atemwegserkrankungen wie „Heustauballergie“ führen und erhöhen das Risiko für weitere Ernährungsbedingte Erkrankungen. Auch ein Befall von tierischen Vorratsschädlingen hat negative Auswirkungen auf die Akzeptanz und Verträglichkeit des Futters. Dazu zählen vor allem Motten, Milben und Moderkäfer. Zwar wirken, diese nicht direkt toxisch, allerdings sind sie ein Indikator für nicht optimale Lagerungsbedingungen und feuchte Verhältnisse im Heulager. Mit Milben verunreinigtes Futter, wird nicht gerne gefressen und kann zu Verdauungsstörungen und Allergien beim Pferd führen.

In der Natur gibt es ebenfalls kein komplett keimfreies Futter und einen natürlichen Befall von Bakterien, Pilzen, Hefen und anderen Mikroorganismen. Dort können die Pferde aber frei wählen, ziehen weiter und haben nicht über einen längeren Zeitraum ein und das selbe Futtermittel. Deshalb sollte in Ställen die Art und die Menge der Belastung kontrolliert werden. Gerade, wenn es vermehrt zur Beeinträchtigung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Pferde kommt, sollte man ihr Futter genauer unter die Lupe nehmen.

Nährstoffe im Heu

Was ist qualitativ hochwertiges Heu?

Rohfaser Rohfett Rohprotein

Zu Rohfaser gehören schwer lösliche Kohlenhydrate, wie zum Beispiel Cellulose, die im Dickdarm verarbeitet werden. Rohproteine sind Eiweise, die unterschiedlich zersetzt werden. Die leichter zu zersetzenden Eiweise werden im Dünndarm mit Hilfe von Enzymen zersetzt und die festeren Zellwände erst später im Dickdarm. Die Rohfette werden im Dünndarm in ungesättigte Fettsäuren verwandelt.

Was bedeutet Rohfaser?

Zu Rohfaser zählen unter anderem Cellulose und Lignin. Aus diese für den Menschen unverdaulichen Stoffen ziehen Pferde ihre Energie. Ihr Verdauungsapparat, vor allem der Dickdarm ist darauf ausgelegt diese schwer verdaulichen Stoffe mit Hilfe von Mikroorganismen für das Pferd verfügbar zu machen. Pferde können mit Hilfe von Bakterien in Blind- und Dickdarm, die Moleküle von Cellulose, Hemicellulose, Pektin und Lignin voneinander spalten. Die Fettsäuren, welche dabei entstehen, gelangen dann über die Darmschleimhaut in die Blutbahn, werden der Leber zugeführt und dort in Kohlehydrate und Fette umgewandelt.

Lignin hingegen kann auch vom Dickdarm nicht aufgespaltet werden und wird unverdaut wieder ausgeschieden. Lignin bildet sich, wenn die Pflanze „verholzt“ und dient zur Stabilisierung. Je später das Gras geschnitten wird, desto höher der Gehalt an Lignin. Gerade in Stroh, ist der Gehalt sehr hoch, was bei zu viel Strohgenuss zu Verstopfungskoliken führen kann. Auch Pferde die zu Kotwasser neigen, sollten Heu mit geringerem Ligningehalt bekommen, denn dies fördert die Symptomatik.

Die Rohfasern (außer Lignin) gehören zu den strukturierten Kohlehydraten und sind daran beteiligt, der Pflanze ihre Form zu geben. Leicht verdauliche Kohlehydrate, wie Stärke und Zucker sind nicht-strukturierte Kohlehydrate und sind wasserlöslich und schnell für den Körper verfügbar.

Wie viel Heu braucht ein Pferd?

Ein Großpferd benötigt 2-3 Kilogramm Rohfaser am Tag, welche es durch Aufnahme von Heu oder Gras decken sollte.

Der Rohfaseranteil in Heu beträgt ca. 23 bis 30 Prozent. Ein Pferd sollte am Tag mindestens zwischen 1,5 und 2 Kilogramm Heu je 100 Kilogramm Lebendgewicht Heu zu sich nehmen.

Auch sollten die Fresspausen maximal 2-3h lang sein. In vielen Ställen sind es weit längere Pausen. Das Pferd als Dauerfresser produziert durchgehend Magensaft, welcher sehr sauer ist und wird er nicht gepuffert durch eingespeichelten Speisebrei, kann es zu Magenproblemen, bis zu Magengeschwüren kommen.

Bei kurzem oder noch nicht ausgewachsenem Gras ist der Rohfaseranteil niedrig und liegt bei ca. 3 bis 4 Prozent. Dagegen enthält ausgewachsenes, verblühtes Gras über 6 Prozent Rohfaseranteil. Ist ein Pferd tagsüber draußen, kann es 40 bis 60 Kilogramm Gras aufnehmen, was einer Rohfasermasse von ca. 2 bis 4 Kilogramm entspricht.

Heu als Elektrolytlieferant

Pferde die ausreichend mit Heu gefüttert werden, verfügen über einen großen Wasser- und Elektrolytspeicher, was ihnen in Zeiten mit weniger Futter zu gute kommt.

Heu enthält viel Kalium, was als basenbildend gilt und den Säure-Basen-Haushalt des Pferdeorganismus ausgleichen kann. Dies verhindert Verspannungen, Entzündungen und Gelenkprobleme.

Außerdem bilden sich durch das ausgiebige Einspeicheln des Heus beim Kauen Magen- und Verdauungssäfte und bereiten den Verdauungstrakt auf die Verarbeitung des Futters vor. Hierbei bildet sich unter anderem auch Natriumbicarbonat, was ebenfalls der Entsäuerung des Bindegewebes dient.

Probleme bei der Heufütterung

Immer mehr Pferdehalter möchten ihrem Pferd Heu zu freien Verfügung bereitstellen, wodurch sich der Heumenge um einiges erhöht. Der Vorteil von einer „ad lib“ Fütterung ist die Beschäftigung der Pferde und dadurch weniger Stress und Unzufriedenheit bei den Tieren.

Außerdem spart man an stärkehaltigen Getreiden, was gerade bei leichtfuttrigen Rassen als Vorteil gesehen wird.
Durch die erhöhte Menge an Heu und dadurch, dass es oft Alleinfuttermittel geworden ist, steigt auch der Anspruch an die Qualität des Heus. Denn ingesamt steigt mit erhöhter Heufütterungsmenge eben auch die Menge an Schimmelpilzen und Bakterien, was ein Pferd täglich zu sich nimmt, an.

Ist das Heu nicht von einwandfreier Qualität und gibt es keine Möglichkeit solch ein hochwertiges Heu zu bekommen, so sollte die Menge davon reduziert werden und durch hochwertiges, biologisches Stroh ersetzt werden. Oder auf andere Produkte aus Warmlufttrocknung zurückgegriffen werden, wie zum Beispiel Heucobs.

Außerdem gibt es die Möglichkeit das Heu mit heißem Wasserdampf zu bedampfen, um so die Keimbelastung zu reduzieren und um Staub zu binden. Das Heu nur zu wässern bekämpft dagegen nur den Staub, allerdings ist die Gefahr der weiteren Keimbildung enorm. Außerdem werden dadurch zusätzlich Nährstoffe reduziert.

Fresszeiten verlängern

Um lange Fresspausen zu vermeiden, kann man engmaschige Heunetze verwenden oder das Heu mit hochwertigem Futterstroh eins zu eins mischen. Gerade bei Pferden, die möglichst eiweißarm ernährt werden sollen, ist die richtige Heufütterung sehr schwer. Das sind beispielsweise Pferde, die am Equinen Metabolischen Syndrom leiden. Diesen Pferden extrem spät geschnittenes und damit ligninreiches Heu zu füttern, ist für die Gesunderhaltung der auf Cellulose ausgerichteten Verdauung nicht förderlich. Je länger das Gras wächst, desto mehr wird Cellulose in das Lignin eingebaut und kann vom Pferd nicht mehr aufgespalten werden und ist so nicht mehr verfügbar. Ein hoher Ligningehalt führt zu Fehlgärung im Blinddarm. Die Folge, das Pferd macht sich auf einer Seite fest, was beim Reiten zu Schwierigkeiten führen kann.

Heustauballergie

Eine Heuallergie ist oft ein nicht ganz ausgeheilter chronischer bakterieller Infekt. Hier hilft das Heu ordentlich mit Wasser zu befeuchten, sodass der Staub gebunden wird. Angefeuchtetes muss Heu immer gleich danach verfüttert werden, sonst verdirbt es. Ersatzprodukte wie Heucobs haben leider nicht die gleiche Strukturlänge wie normales Heu und regen damit weniger die Kautätigkeit an, welche wie oben beschrieben so wichtig ist für die Verdauung. Vorheriges „Waschen“ des Heus hat sich bewährt. Mittlerweile gibt es aber Methoden, das Heu durch Bedampfungen mit über 100 Grad von Staub, Sporen, Bakterien und Milben zu befreien. Das Raufutter wird zugleich schmackhafter und selbst chronisch an den Atemwegen erkrankte Tiere erfahren durch bedampftes Heu erhebliche Linderung.

Heulage – Folienheu – Wickelheu

Das richtige Raufutter?

Qualitativ hochwertiges Pferdeheu zu bekommen, das auch bezahlbar ist, wird zunehmend schwerer. Immer weniger Landwirte haben das Knowhow und die Muse wirklich gutes Heu zu produzieren. Wenn der Sommer dann auch noch sehr regenreich ist, wird das Gemähte nach 3-4 Tagen mit hoher Restfeuchte in Folie gewickelt. Auch den Stallbetreibern kommt dieses Futter entgegen, denn oft fehlen Lagerkapazitäten um das teuer eingekaufte Heu trocken zu lagern. So greifen sie gerne auf Heulage zurück, die einfach im Freien gelagert werden kann.

So ist Heulage heute leider keine Seltenheit mehr und es wird immer schwerer für den Pferdebesitzer einen Stall zu finden, ohne Heulagefütterung. Doch Heulage ist nicht gleich Heu. Auch wenn der Ein oder Andere das gerne so verkaufen möchte.

Was ist Heulage?

Um eine Haltbarkeit zu erreichen, wird das Mähgut fest gepresst und mit mehreren Lagen Folie Luftdicht umwickelt. Damit beginnt der Silierprozess und das Gras wird Milchsauer vergoren. Der pH-Wert sinkt ab und bildet ein saures Milieu, wodurch sich schädliche Bakterien nicht vermehren können. Wie bei der Heugewinnung, braucht es auch hier ein gutes Fingerspitzengefühl was den Mähzeitpunkt und die Trocknung betrifft.

Die Vor- und Nachteile von siliertem Futter

Vorteile:

• Man kann die Ballen im Freien lagern

• Den Pferden schmeckt Heulage meist sehr gut, auch schwerfuttrige Pferde nehmen davon mehr auf und können gut über den Winter gebracht werden

• Durch die Bindung von Staub und Schimmelsporen, können auch Pferde mit Erkrankungen der Atemwege (COPD, Asthma, Allergien etc.) davon fressen

Nachteile:

• die Herstellung ist sehr viel teuerer als die von Heu und braucht sehr viel mehr Fingerspitzengefühl

• die Beurteilung der Qualität ist schwieriger als bei Heu, den die Belastung mit Bakterien und den pH-Wert kann man weder riechen noch sehen

• Wird die Folie nur an einer kleinen Stelle beschädigt, muss der komplette Ballen entsorgt werden, denn er verdirbt in kürzester Zeit.

• die Folie ist nicht gerade Umweltfreundlich, sie fällt in großer Menge an, die auch wieder ordnungsgemäß entsorgt werden muss

• In dieser Folie sind Phtalate (Weichmacher) enthalten, welche nachweislich den Hormonhaushalt beeinflussen, indem sie schädigend auf lebenswichtigen Hormondrüsen, wie Schilddrüse und die Hirnanhangsdrüse

• Heulage muss schnell verfüttert werden, den spätestens 3-4 Tagen nach dem Öffnen verdirbt der Ballen

• werden beim Pressen tote Tiere (zB. eine Maus) mit eingeschlossen, kann es zu einer tötlichen Vergiftug durch den Bakterienstamm Clostridium botulinum kommen, welche das Botulinum Toxin (Botox) ein starkes Nervengift absondern

• Heulage hat einen höheren Energiegehalt als Heu und wird schneller gefressen als Heu, das ist gerade für leichtfuttrige Pferde ein Problem

• Durch den sauren pH-Wert der Heulage wird der Säure-Basen-Haushalt des Pferdeorganismus aus dem Gleichgewicht gebracht und der Pferdekörper übersäuert